Hölderlin-Kalender, 21. Woche

Dann feiern das Brautfest Menschen und Götter,
Es feiern die Lebenden all,
Und ausgeglichen
Ist eine Weile das Schicksal.
Und die Flüchtlinge suchen die Herberg,
Und süßen Schlummer die Tapfern,
Die Liebenden aber
Sind, was sie waren, sie sind
Zu Hause, wo die Blume sich freuet
Unschädlicher Glut und die finsteren Bäume
Der Geist umsäuselt, aber die Unversöhnten
Sind umgewandelt und eilen
Die Hände sich ehe zu reichen,
Bevor das freundliche Licht
Hinuntergeht und die Nacht kommt.

aus "Der Rhein" (1801)
Vollständiger Text,
Erstdruck im
Musenalmanach für das Jahr 1808, Hrsg. von Seckendorf, Regensburg: Montag- und Weissische Buchhandlung,
S. 94-95, S. 96-97, S. 98-99, S. 100-101, S. 102, auf www.textkritik.de

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