Hölderlin-Kalender, 42. Woche

Aber die Nacht kommt! laß uns eilen, zu feiern das Herbstfest
   Heut noch! voll ist das Herz, aber das Leben ist kurz,
Und was uns der himmlische Tag zu sagen geboten,
   Das zu nennen, mein Schmidt! reichen wir beide nicht aus.
Treffliche bring' ich dir und das Freudenfeuer wird hoch auf
   Schlagen und heiliger soll sprechen das kühnere Wort.
Siehe! da ist es rein! und des Gottes freundliche Gaben
   Die wir teilen, sie sind zwischen den Liebenden nur.
Anderes nicht - o kommt! o macht es wahr! denn allein ja
   Bin ich und niemand nimmt mir von der Stirne den Traum?
Kommt und reicht, ihr Lieben, die Hand! das möge genug sein,
   Aber die größere Lust sparen dem Enkel wir auf.

Schluss von "Stutgard" (1800)
Vollständiger Text.
Erstdruck unter dem Titel "Die Herbstfeier" im
Musenalmanach für das Jahr 1807, Hrsg. von Seckendorf, Regensburg: Montag- und Weissische Buchhandlung,
S. 3, S. 4-5, S. 6-7, S. 8-9, S. 10-11, S. 12, auf www.textkritik.de

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