Hölderlin-Kalender, 28. Woche

Täglich geh' ich heraus und such' ein Anderes immer,
   Habe längst sie befragt, alle die Pfade des Lands;
Droben die kühlenden Höhn, die Schatten alle besuch' ich,
   Und die Quellen; hinauf irret der Geist und hinab,
Ruh' erbittend; so flieht das getroffene Wild in die Wälder,
   Wo es um Mittag sonst sicher im Dunkel geruht;
Aber nimmer erquickt sein grünes Lager das Herz ihm,
   Jammernd und schlummerlos treibt es der Stachel umher.

aus "Menons Klagen um Diotima" (1800)
Vollständiger Text im Projekt Gutenberg
Erstdruck im
Musen-Almanach für das Jahr 1802. Hrsg. von Bernhard Vermehren, Leipzig: Sommer,
Vers 1-56 1, 2, 3, 4, 5, 6, Vers 69-82 u.d.T. Elegie 1, 2,
Abdruck 1809 von Vers 57-130 in
Poesien. Von Luise Brachmann, Conz, Haug, Kuhn, Sophie Mereau, Friedr. Schlegel etc. Ein Musen-Almanach für 1809, Frankfurt: Friedrich Wilhlem Hahn [Titelauflage vom Musenalmanach für das Jahr 1803. Hrsg. von Bernhard Vermehren. Zweiter Jahrgang, Jena: Akademische Buchhandlung],
1, 2, 3, 4, 5

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